Warum dein Schreien das Team (leider) schlechter macht
Hand aufs Herz: Wer kennt diesen einen Trainer, der nach fünf Minuten am Seitenrand aussieht, als stünde er kurz vor einer Kernschmelze? Die Adern am Hals pulsieren, das Gesicht nimmt ein sattes Kirschrot an und der Schiedsrichter wird lauter beschimpft als die eigene Schwiegermutter. Wir lieben die Leidenschaft im Fußball, aber heute müssen wir mal Tacheles reden: Schreien schießt keine Tore – es verhindert sie.
Die Wissenschaft vom „Überdrehen“
Warum ist das so? Hier kommt das Yerkes-Dodson-Gesetz ins Spiel. Schon 1908 fanden die Forscher Yerkes und Dodson heraus, dass Leistung und Stress in einer Kurve verlaufen, die wie ein umgedrehtes „U“ aussieht.
- Der Sweet Spot: Ein gewisses Maß an Anspannung ist super. Man ist wach und fokussiert.
- Der Absturz: Sobald der Stress zu hoch wird (Hallo, Brüll-Attacke!), stürzt die Leistung ab. Da Fußball eine hochkomplexe Sportart ist, die Feinmotorik und schnelle Entscheidungen erfordert, reagiert das Gehirn der Spieler bei Gebrüll mit dem „Überlebensmodus“. Die Folge? Tunnelblick, schwere Beine und Fehlpässe am laufenden Band.
(Quelle: Yerkes, R. M., & Dodson, J. D. (1908). The relation of strength of stimulus to rapidity of habit-formation. Journal of Comparative Neurology and Psychology).
„In der Hektik des Spiels ist die Ruhe des Trainers die größte Stärke der Mannschaft.“
Ottmar Hitzfeld (Erfolgstrainer & Champions-League-Sieger)
Die 3-Sekunden-Regel: Vom „Wüterich“ zum Strategen
„Aber ich bin halt emotional!“, rufen jetzt viele. Klar, Fußball ist Emotion. Aber Emotion ohne Kontrolle ist einfach nur Lärm. Ein souveräner Coach nutzt seine Energie gezielt. Hier sind drei Techniken aus der Sportpsychologie, die den Unterschied zwischen Kreisklasse-Wut und Bundesliga-Souveränität machen:
1. Das „Box-Breathing“ Wenn der Schiri mal wieder Tomaten auf den Augen hat: 4 Sekunden einatmen, 4 halten, 4 ausatmen, 4 halten. Das schaltet dein Nervensystem von „Angriff“ zurück auf „Analyse“. Wer ruhig atmet, trifft bessere Wechselentscheidungen.
2. Die „5-Meter-Regel“ Merkst du, wie die Wut hochkocht? Tritt bewusst fünf Meter vom Spielfeldrand zurück. Diese physische Distanz hilft deinem Gehirn, den „Kamera-Zoom“ zu nutzen. Stell dir vor, du bist ein neutraler Beobachter auf der Tribüne. Was würdest du jetzt raten? Wahrscheinlich nicht: „Brüll den 19-jährigen Verteidiger zusammen.“
3. Coaching statt Meckern Ersetze „Warum“-Fragen durch „Was“-Anweisungen.
- Statt: „Warum passt du nicht?!“ (Spieler denkt: „Weil ich schlecht bin…“)
- Besser: „Kopf hoch, such die einfache Lösung!“ (Spieler denkt: „Okay, Kopf hoch, weiterspielen.“ – Quelle: Hanton, S., & Connaughton, D. (2002). Journal of Applied Sport Psychology.)
Der „Match-Plan“ für deine Emotionen
Profis bereiten sich auf Krisen vor. Erstelle dir im Kopf einen „Wenn-Dann-Plan“:
- WENN wir ein Gegentor kassieren, DANN trinke ich erst einen Schluck Wasser und klatsche zweimal aktiv in die Hände, um das Team mental wieder aufzubauen.
Fazit: Werde zum Anker, nicht zum Sturm
Ein Trainer, der sich selbst im Griff hat, strahlt eine natürliche Autorität aus. Deine Spieler spiegeln dich. Bist du panisch, spielen sie panisch. Bist du der ruhige Fels in der Brandung, trauen sie sich den mutigen Pass in der 90. Minute zu.
Lass uns das Ziel nicht vergessen: Wir wollen Spieler entwickeln, die mutig sind und mitdenken. Und das tun sie am besten, wenn der Chef am Rand weiß, wann er laut pushen muss – und wann ein tiefes Durchatmen die bessere Taktik ist.
In diesem Sinne: Bleibt leidenschaftlich, aber bleibt souverän!
Euer einfachMENTAL
Ein Kurzes Nachwort:
Also, liebe Trainer: Bevor die Halsschlagader das nächste Mal zum Expander wird – tief durchatmen, Wasser trinken und kurz an das umgedrehte U denken. Eure Stimmbänder (und eure Spieler) werden es euch danken!
…und an alle Spieler da draußen: Wenn der Coach mal wieder den Föhn auspackt, schickt ihm ganz dezent diesen Link. Vielleicht hilft’s ja…
Schluss mit dem Gebrüll: Werdet vom ‚Vulkan‘ zum ‚Anker‚.
Ich gebe auch gern weitere Tipps im 1-1-Coaching oder in Workshops.
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